Bräuche zu Imbolc

Das Reinigungsfest im Frühjahr

Mit dem zu Imbolc, Anfang Februar, immer deutlicher zurückkehrenden Licht wird die Dunkelheit des Winters aus allen Bereichen des Lebens vertrieben. Licht bedeutet Frische, Klarheit und Sauberkeit. Der Muff der vergangenen Monate wird aus den Häusern geworfen und Platz für Neues gemacht. In vielerlei Hinsicht ist nun ein perfekter Zeitpunkt, einen Neuanfang zu machen, Altes loszuwerden und völlig frei zu starten.

Frühjahrsputz

Der traditionelle Frühjahrsputz macht genau das: Er wirft den Dreck und Schmutz, der sich in der Starre des Winters angesammelt hat, aus dem Haus oder der Wohnung. Das fängt beim Schrubben der gesamten Einrichtung an und geht über das Ausmisten nicht mehr benötigter Dinge bis hin zum Ausräuchern alter Energien. Schließlich ist es jetzt wieder heller und der Dreck ist besser sichtbar. Zumindest denke ich das jedes Jahr, wenn die ersten wirklichen Sonnenstrahlen auf meine mal wieder nicht gut geputzten Fenster treffen.

Nein, das Putzen ist sicherlich kein Zwang für jeden, der ein wenig mehr jahreszeitlich leben möchte. Aber sei mal ehrlich: diese beschwingende Aufräumenergie ist um diese Jahreszeit doch irgendwie immer da, oder? Selbst die Supermärkte werben zielgerichtet mit Putzmitteln und Ordnungshelfern.

Innere Reinigung

Nicht nur die häusliche Umgebung wird gesäubert – Imbolc ist ein perfekter Start für eine Fastenkur, Entschlackung oder ähnliche innere Reinigung. Dazu kann man sogar die nun bald wieder sprießenden jungen Kräuter nehmen. Viele frühe Wildkräuter haben eine passende Wirkung. Aber natürlich sollte man sich da vorher gut informieren und sich nicht einfach irgendetwas pflücken und essen. Die junge Natur kann auch ganz schön ungesund und giftig sein.

Auch die Seele können wir von alten Lasten befreien und uns jetzt, passend für das beginnende Jahr, neuen Plänen und Aufgaben stellen.

Bräuche zum Jahreskreis

Wie genau unsere Vorfahren dieses Frühlingsfest verbracht haben, wissen wir nicht genau. Aber durch alle Völker, die das Licht feiern oder gefeiert haben, sind diverse Ideen (oder manchmal eher Vermutungen) überliefert, in Resten zu erkennen oder in neue Glaubenssysteme eingegliedert. Und manche Traditionen haben sich erst in jüngerer Zeit neu gebildet. Das macht es aber nicht schlechter.

Wichtig ist, welche Handlung sich für dich und für die Feier richtig anfühlt und einen Sinn ergibt. Finde deine eigenen Rituale und lasse dich von dem inspirieren, wie andere das Fest verbracht haben. Nur, weil etwas einmal von irgendwem so gemacht wurde, ist es nicht die einzige und richtige Möglichkeit. Wir feiern ein Fest, dass für uns persönlich etwas bedeutet und für das wir uns willendlich entscheiden. Mit welcher Rechtfertigung sagt dabei jemand, etwas von der Ausführung wäre falsch?

Kerzen und Licht

Als Lichtfest, dass den kommenden Frühling und Abschied von der Dunkelheit feiert, ist alles, was Licht gibt, für Imbolc besonders passend. Es gibt in vielen Regionen Bräuche von Freudenfeuern, die ganze Dörfer erleuchten, an jeder Schwelle und an jedem Fenster eines Hauses entzündete Kerzen oder das Neuentzünden aller Lichter von einem zentralen Herdfeuer aus. Im Christentum gibt es zu Lichtmess den Brauch, zu diesem Tag in der Kirche Kerzen zu entzünden und dann in die Häuser zu tragen. Das Licht der kommenden Sonne wird so symbolisch neu entfacht und breitet sich aus.

Begrüßen der Natur

Der kommende Frühling und die noch junge Sonne werden bald die Tiere und Pflanzen aus dem Schlaf wecken. Es gibt jedoch einige (und wie ich finde ganz lustige und liebevolle) alte Bräuche, in denen das der Mensch übernimmt: So wird beispielsweise eine Kerze durch die Ställe getragen, um auch dort und den Tieren das neue Licht zu zeigen. Bienen wurde das Licht und die Kunde direkt an die Stöcke gebracht, damit sie sich für den baldigen Flug bereitmachen konnten. Und Obstbäume wachsen angeblich besonders gut und tragen reichhaltig, wenn man sie jetzt nur gut genug schüttelt und aufweckt. Ich glaube, das versuche ich mal mit meinen Zimmerpflanzen.

Räucherungen

Eine Räucherung im Haus kann nicht nur alte Energien vertreiben – sie kann auch Frische und Klarheit für das neue Jahr bringen. Dazu öffnet man alle Fenster und geht mit dem angezündeten Räucherwerk durch alle Räume. Dabei kann man etwas sagen oder sich auch nur gedanklich auf den Reinigungsprozess konzentrieren. Aber keine Sorge – selbst wenn man an den Einkaufszettel denkt hat der Qualm Wirkung. Es ist ein schönes Ritual, um sich psychisch auf einen Neuanfang vorzubereiten.

Besonders passend als Räucherwerk finde ich Beifuß und Salbei, die angeblich nicht nur die Umgebung sondern auch gleich den Geist klären. Rosmarin ist noch etwas „frischer“ und Lavendel bringt zusätzliche Energie. Aber im Endeffekt funktioniert als Symbol auch alles andere. Bei starkem Qualm (Vorsicht, Rauchmelder!) kann man sich sehr gut vorstellen, wie der alte Dreck des Winters mit den dunklen Wolken aus den Fenstern verschwindet. Mir persönlich gefallen schöne und nachbleibende Düfte besser, die für mich „frisch“ oder „klar“ riechen. Aber schwerer Weihrauch oder gar Tabak kann für dich vielleicht passender sein.

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