Das Frühlingsfest

Tagundnachtgleiche als Zeitpunkt eines Festes

Wieder einmal liegen zeitgleich im Jahreskreis mehrere Feste, die miteinander Ähnlichkeiten haben. Zum Frühlingsanfang gleichen sich sogar die Namen. Astronomisch haben wir jetzt die Tagundnachtgleiche, der Tag, an dem Tag und Nacht gleich lang sind. Ein anderer Begriff dafür ist Äquinoktium – das hört sich etwas fachlicher an.

Ostern oder Ostara

Tag einer unbekannten Göttin

In vielen neuheidnischen Richtungen wird das Frühlingsfest Ostara genannt. Das ist relativ kurios, weil der Begriff sich auf eine einzige Erwähnung einer eventuellen Göttin zurückverfolgen lässt. Für eine angeblich antike Gottheit überraschend. Wo wir doch sonst relativ viele Überlieferungen zu Göttern haben. Je kleiner der Bereich des Gottes, desto seltener mag er genannt werden. Aber etwas umfassendes wie eine Frühlingsgöttin, die für Landwirtschaft wie Viehzucht und viele Bereiche des Alltagslebens wichtig wäre?

Manche halten eine Lautverschiebung für möglich und nehmen dafür unter anderem eine Gottheit Eostre. Die allerdings genauso schlecht zu finden ist. Griechisch haben wir natürlich Eos, die Morgenröte. Was dann mit dem Osten in Verbindung steht, von dem man den Namen auch öfters ableitet. Mythologisch hat sie allerdings wenig mit Frühling zu tun.

Das heißt natürlich nicht, dass eine solche Göttin nie existiert hat. Es gibt nur keine Beweise – wenn man daran glauben möchte, dann soll man das tun. Für den Sinn des Festes im Laufe der Jahreszeiten ist es unerheblich. Gefeiert wird der Frühling, das frische Grün und die neuen Jungtiere. Wer einer personifizierten Wesenheit dafür danken oder sie um baldigen Sommer bitten möchte – eine wie auch immer geartete Ostara funktioniert sicher. Und die Vorstellung von einer jungen Frau, die im Sonnenschein mit Hasen über eine sprießende Waldlichtung springt, ist zumindest sehr stimmig.

Christliche Auferstehung

Ostern ist die christliche Variante des Frühlingsfestes und hat auch etwas mit Wiederkehr – in diesem Fall der Auferstehung Jesu– zu tun. Zwar liegt Ostern bis zu vier Wochen später als die Tagundnachtgleiche, die Natur hält sich aber ebenfalls nicht an feste Daten. In manchen Jahren ist es bereits frühlingshaft, zu anderen Zeiten liegt Schnee. Eier und Hasen gibt es im christlichen Zusammenhang ebenfalls, wobei mir der Sinn des Hasens dort nicht wirklich klar ist. Das Ei jedoch steht für die Auferstehung.

Übrigens: Das genaue Datum von Ostern ist vom Mond abhängig. Ostern ist immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Und der Frühlingsanfang ist zur Tagundnachtgleiche.

Der Hase und das Ei

Wenn wir schon bei Hase und Ei sind: Beide Symbole passen wunderbar in den Frühling. Hasen (oder Kaninchen, wie sie häufiger dargestellt werden) sind fruchtbare Tiere, die jetzt aus ihren unterirdischen Gängen kommen und über die frischen Wiesen hoppeln. Kaum ein anderes Tier steht so sehr für Fruchtbarkeit und reiche Nachkommenschaft.

Das Federvieh auf den Höfen legt seit kurzem wieder Eier. Und in der Natur bauen Vögel ihre Nester und kündigen den Beginn eines neuen Jahreskreises an. Der starre Winter, in dem das Leben still zu stehen scheint, ist endlich vorrüber. Das Ei, aus dem neues Leben bricht wie die Ernte aus der Saat oder das Grün aus den kahlen Böden, ist das perfekte Symbol für diese Zeit. Mache jetzt einen Spaziergang im Wald und du wirst sehen, wie viel Leben plötzlich dort ist.

Oft werden zudem Schafe oder Lämmer als Symbol und Dekoration für das Frühlingsfest verwendet, die jetzt wieder munter über ihre Weiden springen. Die ersten Schmetterlinge fliegen ebenfalls in der Sonne – für mich passen sie aber noch nicht so ganz zum Beginn des Frühlings.

Warum den Frühling feiern?

Eine Gegenfrage: Warum nicht? Feste, die die Übergänge der Jahreszeiten symbolisieren, machen viel aufmerksamer für das, was um uns herum passiert. Die Feier ist fröhlich, Freude über Sonne, junges Leben und frisches Grün steht im Zentrum. Früher war Ostara ein Zeitpunkt, von dem an das Leben wieder auf den Feldern und generell vor der Tür stattfand. Die Saat wird ausgebracht, der Garten aufgeräumt. Hast du vielleicht schon erste Samen für die Fensterbank geholt? So viel anders machen wir das schließlich heute auch nicht.

Viele Leute halten Jahreskreisfeste für abergläubischen Unsinn. Davon ab, das niemand etwas feiern muss, was er nicht möchte – etwas zu feiern, was deutlich sichtbar vor der Tür passiert ist sicher nicht abergläubisch. Wer, wie es vermutlich früher Menschen getan haben, jetzt durch Orakel oder Gebete und Segen versucht auf die Ernte im Herbst einzuwirken: da ist natürlich kein wissenschaftlicher Grund dahinter. Das muss aber niemanden stören. Es ist dein Fest und du kannst es feiern, wie du willst!

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