Ein Ritual für den Tagesbeginn

Rituale sind wiederkehrende Handlungen, festgelegte Formen, die einerseits für den Handelnden etwas symbolisieren oder markieren können, andererseits durch Regelmäßigkeit eine Art Automatismus bewirken. Unter anderem, natürlich. Wenn ich hier mit ethnologischer Bedeutung komme, dann sind sicher alle gelangweilt.

Schließlich geht es hier nicht um Fachbegriffe, sondern um Möglichkeiten, seinen persönlichen Tages-, Monats- oder Jahresablauf zu ordnen und organisieren.

Rituale zum Ordnen der Gedanken

Für mich sind wiederkehrende Handlungen, die an feste Punkte in meinem Alltag oder im Jahreskreis gebunden sind, sehr hilfreich. Sie bilden einen Rahmen, den man zwar nach Lust und Laune oder vorhandener Zeit ändern kann, der als Grundlage jedoch bestehen bleibt.

Das ist nicht starr und einschränkend, es spart Energie. Energie, die man sonst dafür aufwändet, für jeden Punkt am Tag, jede Sekunde im Leben sich etwas zu überlegen, was man machen kann. Wir haben heute haufenweise Möglichkeiten zur Tagesgestaltung. Mir hilft es, einen groben Rahmen zu haben, der mir eine Auswahl vorschlägt. Und wenn ich dann trotzdem nur Lust habe im Bett Netflix zu schauen, dann ist das halt so. Rituale sind zur Hilfe da, nicht als Handlungsvorschrift.

Rituale für einen aufgeweckteren Morgen

Bei den meisten Leuten ist der Tagesablauf grundlegend in Tag und Nacht geteilt. Gehörst du auch zu der Mehrheit an Menschen, die in der Nacht schlafen, oder hast du irgendeine Arbeit, die dich dann zumindest zeitweise wach hält?

Der Übergang vom Schlafen zum Wachen ist nicht für jeden einfach. Man hofft noch etwas mehr Schlaf zu bekommen, dreht sich noch einmal um und dann prasseln die ganzen eng getakteten Aufgaben auf einen ein. Aufstehen, fertigmachen, Frühstück – vielleicht die Kinder wecken und anziehen, den Hund füttern oder noch schnell die Meditation einschieben. Alles am besten gleichzeitig und so schnell wie möglich.

Mehr Zeit am Morgen

Leider kann ich dir nichts sagen, was zauberhafter Weise die ganze Arbeit erledigt, zwei Stunden mehr Schlaf und viel Ruhe bringt. Klar, früheres Aufstehen funktioniert teilweise aber ich denke, dass muss ich dir sicher nicht erzählen.

Ein anderer Ansatz ist allerdings ein geordnetes Morgenritual. Nein, keine Sorge, das kostet kaum zusätzliche Zeit – bringt aber dafür einen freien Kopf. Warum? Weil durch das wiederkehrende Ritual, die stets gleiche Handlung, das hektische Abwägen und das Durcheinander der Planung immer gleicher Dinge ausfällt. Und ja, das bedeutet, dass der jeweilige Inhalt deutlich weniger wichtig ist als die regelmäßigkeit. Jeder kann also ein für sich selbst passendes Morgenritual finden.

Das persönliche Morgenritual

Schaue dir zunächst deine Morgenaufgaben an. Was machst du, wenn du aufgestanden bist? Wie lange liegst du vorher überhaupt noch im Bett? Wieviel Zeit ist zur Verfügung und was muss zwingend getan werden?

Ok, jetzt schaue dir deine Liste nochmal an. Muss das wirklich alles direkt am Morgen getan werden? manche Dinge, wie das Aussuchen der Kleidung, könnte zum Beispiel am Abend vorher mindestens vorbereitet werden. Für Schüler kommt auch das Packen der Tasche infrage. Wenn das für dich alles zwingend am Morgen sein soll – ok, kein Problem. Aber es ist eine gute Idee wenigstens über diese Möglichkeit nachzudenken.

Jetzt haben wir eine Liste mit Dingen, die am Morgen ablaufen müssen, bevor er Tag beginnt. Gibt es etwas, was dir Freude macht? Oder was zumindest Freude machen KÖNNTE? Ich denke da zum Beispiel an die Tasse Kaffee, die schön entspannend sein könnte, wenn man sie nicht neben dem Packen und dem ersten Hausputz in Eile trinkt.

Das Morgenritual erstellen

Jetzt kommt die Planung. Wie soll das Ritual aussehen? Wir haben Punkte, die getan werden müssen. In welcher Reihenfolge eignet sich das? Gibt es eine Zeitoptimierung? Was passiert in welchem Raum?

Reinigung und Vorbereitung

Egal, wie dein Morgen aussieht, du wirst dich vermutlich auf irgendeine Art reinigen und anziehen. Dabei gibt es ein paar Tipps:

  • Kombinieren. Zunächst kurz ins Bad, dann später zurück zum Duschen und zehn Minuten später wieder hin zum Schminken? Wenn du das verbindest, dann rennst du weniger durch die Gegend. Und wenn du eh alles machen möchtest – sind die zehn Minuten früher oder später wirklich wichtig?
  • Habe einen Fokus im Badezimmer! Mindestens Zähneputzen funktioniert bei fast jedem ohne viel Nachdenken, der Rest höchstwahrscheinlich ebenfalls. Warum nicht wärend der Alltagsreinigung an etwas Schönes denken? Das könnte der von den Kindern bemalte Zahnputzbecher sein, ein kleines Regal mit Fotos von lieben Menschen oder diese eine Creme, die so toll duftet und mit der man sich wie im Luxus fühlt.
  • Mache eine Sache für dich! Vielleicht dieses schöne Gesichtswasser, eine Minute den Massageball an den Füßen oder das besondere MakeUp. Es kann etwas sein, was dir gefällt oder etwas, von dem du meinst, dass es gut für dich wäre. Wie die täglichen 100 Bürstenstriche. Aber es ist nur für dich, weil du es so willst!
  • Finde einen Rahmen. Das kann eine Kerze sein, die du anzündest, bevor du beginnst oder gar ein Räucherstäbchen.

Frühstück und Co

Frühstückst du jeden Morgen? Wenn ja: Sitzt du dabei oder rennst du zwischen Aufgaben mit dem belegten Brot durch die Wohnung? Hier sind ein paar Tipps, die vielleicht in deinen morgendlichen Ablauf passen:

  • Das Frühstück vorher festlegen. Ich meine: eingekauft wurde eh normalerweise schon. Und es macht keinen Sinn, jeden Morgen neu den Kühlschrank durchsuchen zu müssen, was wohl da sein müsste. Und nein – es muss natürlich nicht jeden Tag das Selbe sein. Aber es spart Energie, wenn man mindestens weiß, was im Haus ist.
  • Selbst, wenn du nichts frühstücken magst: Trinke mindestens ein Glas Wasser. Das ist gesund und kostet wirklich nicht viel Zeit.
  • Frühstück, und sei es nur ein Tee oder Kaffee, sollte wenn irgendwie möglich im Sitzen an einem dafür vorgesehenen Ort eingenommen werden. Nahrung ist etwas, was unser Körper braucht aber das heißt nicht, dass es so achtsam ist, es zu schlingen. Vielleicht hast du eine Art Spruch oder auch nur Gedanken, den du vor dem Beginn jeder Mahlzeit fokussierst? Das sind nur wenige Sekunden Zeit, die benötigt werden. Was wilst du gerade zu dir nehmen? Wo kommt es her? Was soll es bewirken, was enthält es? Warum hast du genau diese Speisen ausgewählt. Und wenn die Antwort ist „Das Müsli war günstig und mehr bekomme ich morgends nicht runter“, dann ist das so. Es geht um das Beschäftigen mit dem, was du im Begriff bist in dich aufzunehmen, nicht um ein schlechtes Gewissen, wenn das vielleicht nicht so gesund oder so biologisch ist, wie es irgendeiner Idealvorstellung entspricht.

Der Morgen für dich

Der Sinn ist, dass du dein Ritual wenn es irgendwie geht in der Reihenfolge befolgst, die du festgelegt hast. Nur dann musst du dich nach ein paar Wochen nicht mehr auf diese Reihenfolge und die einfachen Abläufe konzentrieren. Klar, etwas dazwischenkommen kann immer. Meiner Erfahrung nach profitieren besonders solche Menschen von Ritualen am Morgen, die sonst „nicht gut aus den Federn kommen“. Denn im Endeffekt muss man zu Beginn des Rituals nicht mal wirklich wach sein – wo das Bad ist findet der Körper quasi auch alleine. Und mit der zeit und den Abläufen wacht der Geist langsam auf.

Andere Möglichkeiten, seinen Morgen zu füllen:

  • Meditation. Zehn Minuten reichen locker und selbst die wirken zu Beginn eher wie zwei Stunden. Setzte dich an einen ruhigen Ort dazu und nutze einen Timer – dann hast du nicht die Sorge die Zeit zu vergessen.
  • Einen Tagesplan machen. Mein Tagesablauf ist sehr unregelmäßig, daher mache ich jeden Morgen vor dem Frühstück einen Plan für den Tag, mit ToDo-Listen und so weiter. Bei regelmäßigen Abläufen würde ich das nicht machen – dafür lohnt sich der Aufwand nicht, wenn fast sicher ist, dass man zur Arbeit und wieder zurück muss.
  • Passend zum Tagesplan kann man sich einen Vorsatz für den Tag überlegen, eine Tarotkarte oder ähnliches Mittel ziehen.
  • Sport. Joggen, Tai Chi oder Yoga zum Beispiel.
  • Den Morgen begrüßen

Was denkst du darüber?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

No Comments Yet.