Food Truck Festival in Hamburg

Na, was ist denn das? Vor lauter Beschreibung auf unserem Bento-Blog habe ich doch ganz vergessen hier über das Food Truck Festival zu schreiben! Das wird jetzt schnell nachgeholt. Vielleicht kann ich jemanden damit Geschmack auf das nächste Festival machen. Denn die gibt es hier nun regelmäßig

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Bereits vor einigen Wochen fand, gleichzeitig zum Hamburger Hafengeburtstag, auf dem Spielbudenplatz das „Food Truck Festival“ statt. Der Spielbudenplatz, das ist die breite „Verkehrsinsel“ der Reeperbahn, also mitten im klischeehaften Rotlicht- und Partybezirk.

Da der Stadtteil St. Pauli, in dem die Reeperbahn liegt, eher alternativ geprägt ist, führen die Events auf dem Spielbudenplatz immer zu einer bunten Besucher-Mischung. Diskogänger und „coole Teens“, Punks und Hippies, Touristen (erkennbar besonders durch Regenschirme) und je nach Veranstaltung bieder gekleidete Senioren, Banker-Typen, Familien… alles ist möglich. Das macht den Flair der meisten Veranstaltungen aus.

Was ist ein Food Truck Festival eigentlich?

Lange hatte ich mir keine Gedanken über die plötzlich überall auftauchenden „Food Trucks“ gemacht. In meiner Vorstellung war das einfach ein anderer Name für Imbisswagen. Also ein Grill mit ewig bratenden Würstchen und Pommes aus altem Fett. Ok, es gibt diverse verschiedene Gerichte dabei, also einen Döner-Wagen, die übliche Jahrmarkts-Pilzpfanne oder China-Nudeln aus dem Riesen-Wok. Schnell auf den Teller geklatscht, eher Massenware.
Streetfood war dagegen für mich irgendwie etwas anderes. Eher die exotischen Kleinigkeiten, die es am Mini-Stand oder von dem schiebbaren Grill gibt. Und in der Street-Food-Szene gibt es eine große Bewegung in Richtung „gesundem Essen“, was auch bio, saisonale und regionale Zusaten und einfach „sorgfältigere Auswahl und Zubereitung“

Gut, jetzt habe ich gelernt: Food Trucks sind Streetfood mindestens im Sinne von „halten einfach irgendwo an der Straße“. Sie haben meist wenig mit den Party-Zelt-Imbissen zu tun, die auf Festen und Jahrmärkten stehen. Oder es ist der alte Imbiss-Wagen von Onkel Otto, der heute lieber einen englischen Begriff mag.
Ähm… gut. Also, alles ist möglich. Auch die regionale, saisonale und Slow Food-Küche.

Slow Food im Food Truck

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Das Schild an den Rändern der Food Truck-Meile macht gleich klar, dass zumindest von Veranstalter-Seite her eher an gutes, sorgfältig bereitetes Essen gedacht wurde. Und nicht an die fünf Stunden einkochende Gulaschsuppe. Und wirklich – zum großen Teil war das Angebot dementsprechend, von einigen kleinen Ausnahmen einmal abgesehen.

Auf den Bühnen an beiden Enden des Spielbudenplatzes fand man eher Truck-lose Stände, die auch auf Streetfood-Treffen so hätten stehen können. Sehr viel davon war vegetarisch und vegan.
Ich esse durchaus Tiere und Tierprodukte, achte dabei allerdings darauf, wie sie gelebt und gestorben sind. Und wo – ich brauche kein aus Argentinien importiertes totes Tier.
Oft bevorzuge ich vegetarische Gerichte. Da habe ich im Zweifelsfall zwar Gen-Mais oder Monokultur-Getreide aber sich ständig 100% optimal zu ernähren funktioniert eh nicht. Schon gar nicht mit dem Geld, was ich zur Verfügung habe.

Dieser Curry-Stand (warum haben die meisten eigentlich nur eine Facebook-Seite und keine sinnvolle Homepage?) duftete verführerisch und hatte neben Hühnchen viel Vegetarisches im Angebot.
Schön fand ich, dass sie nicht mit dem Holzhammer darauf hinweisen, dass etwas vegetarisch ist. Geht eigentlich nur mir auf die Nerven, wenn fast jeder Salat immer doppelt und dreifach als vegan und vegetarisch deklariert wird? Oder Tomatensuppe? Süßkartoffel-Sticks?
Bei veganen Gerichten kann ich das noch verstehen. Aber manchmal kommt es mir so vor, als würden die Anbieter oder Kochbuchschreiber nur auf der „ach so modern“-Welle reiten wollen. Das gebratene Zucchini in Öl vegetarisch ist, sollte sich nun wirklich jeder denken können.

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Alohacherie ist ebenfalls mehr Streetfood als wirklicher Truck. Und eigentlich ein Catering-Unternehmen.
Der Aufschrift nach sind die Gerichte nicht nur 100% vegan sondern enthalten auch 100% Liebe.

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Die Bärlauch-Suppe klang gut. Aber das hört sich für mich schon wieder nach einem bereits fertigen Riesen-Topf an. Außerdem kann man damit schlecht weiter herum laufen. Ich teile mir mit meinem Mann einen 100% liebevoll veganen Wake-Up-Spaceball aus dem Einmachglas.

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Zwischen den Bühnen reihen sich die „richtigen“ Food Trucks aneinander. Einige davon amerikanisches Truck-Klischee, daneben dann wieder der Imbiss-Stand vom Wochenmarkt.

Goldburger sieht eher nach einem Wohnwagen aus. Dort gibt es Burger aus Bio-Rindfleisch, von in der Region lebenden Tieren. Und selbstgemachte Soßen. Das hört sich gut an aber mein Magen ist noch voller Wake Up.

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Die Blinis von Gutesdrauf gibt es in einer Mini-Variante, damit man mehr verschiedene Gerichte austesten kann. Der Truck wirbt damit, viele Bio-Zutaten aus der Region zu benutzt. Ok, die Region des Trucks ist eigentlich Berlin, wo sie sonst regelmäßig herumfahren. Heißt es in Berlin dann auch „Buchweizenpfannkuchen“? War da nicht was mit Pfannkuchen und deren Bezeichnungen?

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Ein paar Wagen weiter steht John’s Bio Bistro mit Dinkel-Flammkuchen. Der Wagen sieht eher nach einem Marktstand aus, was die Qualität des Essen aber natürlich nicht ändert.

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Ich nehmen einen Flammkuchen mit Ziegenkäse, Honig und Walnüssen. Kommentar meines Mannes: „Dinkel hört sich schon so nach Bio an!“

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Die meisten Trucks und Stände verzichteten zwar auf Plastikgeschirr, die ganze Pappe lies die Mülleimer der Umgebung aber auch gut überquellen. Während meines Besuches habe ich mehrmals Leute vom Festival Müll wegtragen sehen (auch den, der wie immer nicht seinen Weg in die Eimer findet).
Die Organisation war wohl sehr professionell, es gab sogar Helfer, die regelmäßig die Bänke vom letzten Regen trocken wischten. In Hamburg relativ hoffnungslos.

Mit Abstand am Besten fanden wir das Essen vom Food.Club. Teriaky-Hühnchen mit Spargel, Rhabarber-Chutney und Bärlauchpesto. Saisonal, regional und ökologisch. Im Truck und mit netten Köchen.
Das sagt sogar mein Mann, dem sonst der Rinder-Burger (den er auch gegessen hat) grundsätzlich besser schmeckt als jedes Huhn.

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Selbst das „Geschirr“ überzeugt. Und das Essen sieht lecker und bunt aus, das Auge ißt schließlich mit.

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